Egal wohin man schaut, das Thema Hund ist überall präsent. Niedliche Videos auf Facebook oder Instagram, der Hund ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Dem kann man sich auch als Nicht-Hundebesitzer nicht entziehen.

Man stellt sich die Frage, ist das denn gut so, wie es ist?
Man sollte meinen, ja. Man beschäftigt sich mit dem Hund, man hat eine gute Zeit und man tut alles, um seinem Vierbeiner gerecht zu werden. Der Hund ist mittlerweile oft ein Partnerersatz, so viel ist sicher. Ob als Freund, der einen durch den Alltag begleitet, als Zuhörer oder aber auch als Fast-Kind.

Als ich begonnen habe, Hunde zu trainieren, da hieß es immer, das Schlimmste ist, wenn der Hund ein Ersatzpartner ist. Ehrlich gesagt, heute wäre ich froh, wenn sie das wären. Immer öfter beobachte ich, dass der Hund mehr darf als Ehemann und Kind zusammen. Mütter, die ihr Kind disziplinieren, weil es an der Hand zieht, und die dem Hund tröstende Worte zusprechen, wenn er einen anderen Hund anbellt. Verkehrte Welt, denk ich mir da oft.

Das Thema polarisiert

Das Thema Hund polarisiert ungemein, das steht fest. Du kannst heute egal welches Bild von einem Hund ins Netz stellen und es wird Menschen geben, die prinzipiell was Dummes dazu schreiben, weil sie halt auch so dumm wie ein Blumentopf sind. Egal, die Anonymität macht’s möglich.

Überhaupt ist es ein Thema, das Menschen moralische Überlegenheit empfinden lässt. Viele rühmen sich damit, „nein, bei uns ist alles nur positiv“, und schreien drei Minuten später ihren Vierbeiner zusammen.

Man muss sich die Frage auch stellen, ist es denn überhaupt gut, alles NUR positiv zu gestalten? Ist das nicht komplett unfair einem Lebewesen gegenüber?

Motivation & Stress bei der Erziehung

Ein Lebewesen braucht auch mal die Möglichkeit, sich unter Stress zu entwickeln, stärker zu werden und sich anzupassen. Das heißt nicht, man sollte den Hund immer unter Stress setzen, aber wenn das mal passiert, wird er nicht gleich sterben. Selbstverständlich sollte sehr viel über Motivation passieren, aber wenn man nur über Motivation arbeitet, darf man nicht beleidigt sein, wenn den Hund etwas anderes plötzlich mehr motiviert, ein anderer Hund, ein Hase, was auch immer.

Hundeerziehung wird immer mehr verkompliziert.
Warum? Weil immer weniger davon verstehen. Es gibt Hundetrainer wie Sand am Meer, sie haben sehr oft alles schön am Reißbrett gelernt. Trainer, die es beim eigenen Hund nicht schaffen, diesen in den Griff zu bekommen. Da kommt ein Gefühl auf, als ob man zu einem Fitnesstrainer geht, der übergewichtig ist. Durch die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit wird plakativ geworben, alles ohne Zwang zu trainieren. Dabei ist Zwang ja schon, wenn man den Hund an die Leine nimmt, daran merkt man auch das Fachwissen.

Hunde brauchen Führung

Das ist Teil der Vereinbarung, wenn man einen zu sich nimmt. Der kann in unserer zivilisierten Welt nicht entscheiden, dazu braucht er uns. In einem Hunderudel wird permanent geführt, erzogen und maßgeregelt. Wer es nicht glaubt, kann gerne kommen und zusehen. Wenn Hunde spielen, geht es oft rau zu, da möchte man die Hand nicht dazwischen haben, und schon gar nicht, wenn die korrigieren. Und trotzdem erheben sich die Stimmen, wenn man dem Hund eine Packung Taschentücher draufschießt. Wir reden von fünfzehn Gramm Watte, da fragt man sich, wo wir gelandet sind.

Man stellt sich oft die Frage, wie hat es der Hund ins 21. Jahrhundert geschafft, ohne Regenmantel, Hundebuggie und ohne Stress?

Man muss lediglich seinen Hausverstand einsetzen, und so manchen geht dann ein Licht auf. So, nun können wieder viele schimpfen und meckern, das passt aber auch, sonst wäre es ja fad.

Ein Beitrag von Florian Günther

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