Es wird immer wieder davon gesprochen oder besser gesagt geprägt, dass unsere Vierbeiner keinen Stress haben dürfen, es sei schlecht für den Hund und nicht nach „neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen“. Man schult die Hundebesitzer darauf, auf sogenannte „Calming Signals“, also Beschwichtigungssignale, zu achten. Diese setzen sich aus Schnauze Lecken, Gähnen, sich Strecken oder Kratzen usw. zusammen. Diese Signale seien tunlichst zu vermeiden, weil unser Hund dann Stress hat und das will man ja schließlich nicht.

Wir wollen der beste Freund unseres felligen Kumpels sein, er ist es ja auch von uns, so denken wir zumindest. Und einen so guten Kumpel setzt man nicht unter Stress. Jetzt frag ich mich, wenn man Hunde beobachtet, wie diese miteinander interagieren, sollte man dann die Signale, die sie einander geben, ignorieren? Hunde untereinander verhalten sich alles andere als stressvermeidend. Im Gegenteil, in einem Rudel herrscht permanent Stress! Diesen kompensieren sie durch Bewegung. Es wird verlangt, man solle fühlen wie ein Hund, denken wie ein Hund, aber wehe man benimmt sich wie ein Hund, dann ist man ein Tierquäler.

Hundeleben & Stress

Wenn man sich so ein Hundeleben mal auf der Zunge zergehen lässt, ich spreche von 365 Tagen im Jahr Wellnessurlaub bei uns: Sie bekommen bestes Futter, schlafen im orthopädischen Bett, und bekommen 24/7 Massagen vom Feinsten, … Ich übertreibe, um zu verdeutlichen, was ich sagen will.

Aber unser Haushund hat ein absolut paradiesisches Leben bei uns. Wenn der also ab und zu mal Stress hat, ist das eben so. Glaubt mir, der Hund wird nicht sterben oder sonstige Schäden davontragen. Wenn ich mit einem jungen Hund in die Stadt gehe, hat der natürlich auch ab und an Stress, ja, und weiter? Er wird darüber hinwegkommen, noch mehr, er wird damit wachsen und stärker werden. Der Vierbeiner lernt, dass alles gar nicht so schlimm ist. Es ist unsere Pflicht dem Hund gegenüber, ihm auch die Dinge zu zeigen, die er nicht so gut findet.

Beispiel:

Nehmen wir mal ein Kindergartenkind, das muss morgens aufstehen, obwohl es liegen bleiben will, es muss sich die Zähne putzen, auch wenn es keine Lust dazu hat, dann geht’s ab in den Kindergarten. Es weint, weil es lieber bei seinen Eltern bleiben möchte. Da sagt niemand etwas, höchstens, ja, das wird schon noch oder stell dich nicht so an.

Kernaussage von Florian Günther

Was ich im Kern sagen will, ist: Auch wenn der Hund ab und zu mal Stress hat, ist das nicht schlimm. Natürlich alles mit Hausverstand. Aber lasst den Hund nicht in einer unrealistischen Welt leben. Wenn der gähnt, kann er auch müde sein, wenn er sich die Schnauze leckt, kann er auch mal was gefressen haben. Und selbst wenn er beschwichtigt, dann tut er das eben, er wird es überleben, und zwar ohne Schaden. Also habt Freude an eurem Hund, und zerbrecht euch nicht wegen jedem Pfurz den Kopf!

Ein Beitrag von Florian Günther

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