Sieht man sich die Entwicklung der letzten Jahre an, dann merkt man, dass Hundeschulen wie Pilze aus dem Boden schießen. Die durchschnittliche Hundeschule hält sich meistens zwei Jahre, dann ist sie meistens wieder verschwunden. Warum ist das so?

Zunächst muss man die Intention der meisten Menschen kennen, also den Grund, warum sie in das Hundetraining-Business einsteigen. Es ist die Liebe zum Hund! Dieser Ansatz ist prinzipiell ein sehr guter, eigentlich der einzige gute Ansatz, den man braucht. Doch um bestehen zu können, muss man mehr draufhaben, als einem Hund „Sitz!“ beizubringen. Man muss auch betriebswirtschaftlich fit sein. Was ist Marketing, wie bewährt man sich auf dem Markt? Fragen wie diese stellen sich viele erst gar nicht. Was noch dazukommt, ist die immer schlechter werdende Qualität. Menschen gehen mit ihrem Vierbeiner in eine Hundeschule, um ihr Leben zu vereinfachen, um ein stressfreies Leben mit ihm zu haben. Oft treffe ich Leute, die bereits seit Jahren in einer Hundeschule sind, aber der Hund kann nicht mal locker an der Leine gehen, geschweige denn an einem anderen Hund stressfrei vorbeilaufen. Dann heißt es immer, es braucht Zeit, man muss sich interessant machen. Mit solchen Floskeln werden die Kunden bei der Stange gehalten. Sie übertünchen meist die Inkompetenz des Trainers.

Viele Trainer wissen nicht mehr, dass Hundetraining ein Handwerk ist, kein Psychologiefach. Es wird Zeit vergeudet mit „Er macht das, weil …“, aber die wenigsten können das Problem beheben. Was interessiert einen Hundebesitzer, warum sein Hund einen anderen anbellt, wichtig ist, dass man ihm diese Unart abgewöhnt.

Gestatten Sie mir einen Vergleich: Manche Ehepaare sind zwanzig, dreißig Jahre verheiratet, teilen das Bett und reden miteinander. Niemand kann behaupten, dass, wenn der Ehepartner absolut schlecht gelaunt nachhause kommt und die Tür zuschmeißt, man sofort weiß: „Ah, wenn er so macht, dann ist er im Stau gestanden“. Nein, dann muss man nachfragen und sich über die Gründe für die schlechte Laune unterhalten.

Aber viele Menschen glauben, wenn sie einen Hund drei Minuten lang beobachten, sagen zu können, er sei unsicher oder dominant oder er mache das, weil … Bei einer artfremden Spezies so etwas zu behaupten, ist fast schon arrogant. Was auch auffällt, ist die schlechte Qualität des eigenen Hundes, Trainer haben oft Hunde, die nicht einmal das kleine Einmaleins der Hundeerziehung beherrschen. Dann heißt es immer, der sei „eben so“. Was bin ich für ein Trainer, wenn ich nicht einmal meinen eigenen Hund, mit dem ich lebe, in den Griff bekomme, das muss doch meine Visitenkarte sein. Niemand würde zu einem Hautarzt gehen, der Akne hat, oder zu einem Zahnarzt mit fauligen Zähnen. Aber Leute gehen zu Trainern, deren Hund schlechter gehorcht als der vom Kunden. Dann gibt es noch den Hundeplatz und das individualisierte Training. Was ist besser? Das ist so, als ob man Äpfel mit Birnen vergliche. Auf dem einen findet in einem örtlich abgegrenzten Gebiet sportliche Betätigung statt, das andere ist im Optimalfall im Alltag auf einen ganz persönlich zugeschnitten. Beides hat Vor- und Nachteile. Man kann es nicht miteinander vergleichen – und doch hat sowohl das eine wie auch das andere seine Berechtigung.

Doch was macht jetzt eine gute Hundeschule aus?

Zuerst muss man sich dort wohlfühlen, das sagt einem auch das gute alte Bauchgefühl. Dann sollte ein kontinuierlicher, zügiger Fortschritt zu erkennen sein. Die Erklärungen sollten einfach und verständlich sein. Wenn man das System selbst nicht versteht, kann man es unmöglich seinem Hund beibringen. Es sollte also auch einfach sein. Wenn sich in vier bis sechs Monaten nicht wesentlich etwas ändert, dann ist das nicht der richtige Weg, das muss man sagen. Und zu guter Letzt: der Hund des Trainers. Lasst euch den Hund zeigen, aber im Alltag. Wenn der funktioniert, dann ist das wie ein Qualitätszertifikat. So dürfte es also leichter sein, die passende Hundeschule zu finden – viel Spaß beim Lernen und Erziehen!

Ein Beitrag von Florian Günther

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