Ein Thema, das für Aufregung und Spaltung sorgt: die sogenannten Kampfhunde oder Listenhunde, wie man sie auch nennt.

Ein Listenhund gehört zu einer Rasse, von der man annimmt, dass sie eine besondere Gefährdung für unsere Mitmenschen bzw. die Umwelt darstellt. Darunter fallen viele Rassen – vom Pitbull bis zum Ridgeback. Doch was steckt hinter dieser Annahme? Sind diese Tiere wirklich so gefährlich, dass sie in manchen Ländern sogar verboten sind? Oder sind sie die großen Kampfschmuser, die keiner Fliege was zu Leide tun können? Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte.

Ich selbst habe sehr viele Hunde dieser Rassen trainiert und bin draufgekommen, dass man nicht alle über einen Kamm scheren kann. Vom Schmuser, der so sensibel war, dass sein eigener Schatten ein Problem darstellte, bis zu dem Hund, der schon Leute gebissen und Hunde umgebracht hat, war alles dabei. Fakt ist, gewisse Rassen wurden einfach für den Kampf gezüchtet, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Sie wurden für diese Aufgabe selektiert und die so entstandenen Eigenschaften lassen sich nun mal nicht wegkuscheln.

Andererseits ist zum Beispiel ein Staffordshire Bullterrier einer der beliebtesten Familienhunde in England. Sie gelten als kinderfreundlich und eben auch aufgrund der erwähnten Selektion als unempfindlich. Tatsache ist: Ich kenne viele dieser Hunde, die harmloser sind als so manch vermeintlicher Familienhund.

Wenn es jedoch einmal richtig rundgeht, dann wächst dort kein Gras mehr. Nicht selten werden Kunden mit solchen Hunden ein wenig schief angesehen. Es ist eben bei manchen ein bisschen zum Aufpassen. So habe ich es selbst schon erlebt, dass sich ein Hund dieser Art regelrecht auf einen anderen Hund gefreut hat. Jedoch nicht zum Spielen, sondern um mit diesem zu kämpfen. Das Problem ist, diese Hunde haben richtig Power, die in den falschen Händen gefährlich werden kann. Das betrifft aber auch andere Rassen, wie z. B. einen Border Collie.

Was mich zum nächsten, sehr bedenklichen Punkt bringt. Oft werden solche Hunde zur Aufwertung des eigenen unterentwickelten Egos angeschafft. Menschen, die von der Kraft, dem Aussehen, ja dem Mythos eines Kampfhundes so fasziniert sind, dass sie sich solch einen „Beschützer“ zwar zulegen, von ihm jedoch nicht mehr wissen, als dass dieser Hund vorne frisst und hinten macht.

Dies führt zwangsläufig zu Problemen, nicht selten landet der Hund dann irgendwann im Tierheim und gilt dort als nicht vermittelbar. Denn es ist zwar richtig, dass der Mensch zwar über die Erziehung bis zu einem gewissen Grad auf ein Tier einwirken kann, nichtsdestotrotz spielt jedoch auch die Genetik eine große Rolle.

Der Feind solcher Rassen ist deshalb meistens der falsche Besitzer. Dass so ein Hund kein Einsteigerhund ist, sollte einem der Hausverstand sagen. Gut trainiert, sind sie jedoch meist aktive und anhängliche Wegbegleiter.

Dazu muss man wissen, dass, wenn in früheren Zeiten sich die Hunde im Kampf ineinander verbissen hatten und die Besitzer sie trennten mussten, das ohne Probleme möglich war. Wenn einer dieser Hunde den eigenen Besitzer gebissen hatte, wurde der Vierbeiner sofort „entsorgt“.

Wer allerdings einen Hund sucht, der lernwillig, aktiv, aber auch eine Herausforderung ist, der hat hier sicher eine Wahl. Man muss allerdings auch mit den Reaktionen der Umwelt rechnen, von kritischen Blicken bis zum Straßenseitenwechsel wird alles dabei sein.

Grundsätzlich bin ich nicht für eine Liste, da ich der Meinung bin, dass deswegen nicht mehr oder weniger passiert, außer dass ein Feindbild geschaffen wird.

Ein Beitrag von Florian Günther

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